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Können Sie sich noch an Ihren letzten Arbeitstag erinnern? Vor Corona, meine ich. Also an Ihren letzten Arbeitstag in der alten Arbeitswelt. Einer Welt, in der die meisten von uns Arbeit als einen Ort definiert haben, an den wir gegangen sind. „In die Arbeit gehen“ war zwar bei genauerer Betrachtung auch Anfang des Jahres nicht wirklich korrekt – denn Arbeit ist laut Duden eine „Tätigkeit mit einzelnen Verrichtungen, Ausführung eines Auftrags“ und kein Ort oder Gebäude – doch wer hat diese Aussage je ernsthaft in Frage gestellt?

Ich bin am 26. Februar das letzte Mal zur Arbeit gegangen. Geflogen, um genau zu sein, zu einem Vortrag nach Hamburg. Der Titel lautete „New Work – wie wir morgen tun, was wir heute wollen“ und keiner – weder ich vorne auf der Bühne, noch die Zuschauer im Raum, ahnten in diesem Moment, wie schnell morgen tatsächlich auf heute folgen sollte.

135 Tage später sitze ich in meinem Home-Office und schreibe diese Zeilen. Und es kommt mir vor, als hätte ich eine Zeitreise gemacht, in der die Digitalisierung auch vor verkrusteten Strukturen und Blockaden in den Köpfen keinen Halt mehr gemacht hat. In der Flexibilität und Mobilität zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Eine Selbstverständlichkeit, die viele schon lange herbeigesehnt und die meisten nun schnell zu schätzen gelernt haben.

 

Die drei Phasen der Coronazeit: Reagieren – Arrangieren – Neu denken

Geplant war das nicht – aber Mitte März hatten fast alle, deren Tätigkeit nicht unmittelbar an einen festen Ort geknüpft war, ihren Arbeitsplatz nachhause verlegt. Ich selbst werde den Anblick, wie meine Nachbarin zwei Wäschekörbe voller Akten, ihren PC und Bildschirm aus dem Auto ausgeladen hat, wohl nie vergessen. Er ist das Sinnbild von dem, was in diesen ersten Wochen geschah: Wir mussten reagieren.

Und siehe da – das Arbeitsleben ging weiter. Vielleicht hier und da etwas holprig, aber unterm Strich nur mit relativ geringen – oder gar keinen – Produktivitätsverlusten. Schneller als gedacht hatten sich die meisten in dieser neuen Normalität zurechtgefunden, sich arrangiert und sie sogar schätzen gelernt.

 

Es wird nun Zeit für Phase drei. Wie soll es weitergehen?

Erst ganz leise, aber nun schon immer lauter, sind die ersten Rufe zu vernehmen: „Wir müssen wieder zur Normalität!“ Aber was ist das? Zurück in die alte Normalität, mit festen Strukturen, Arbeitsplätzen und Anwesenheitszwang? Oder die Schaffung einer neuen Normalität? Wie kann die aussehen? Radikal, mit Home-Office Lösungen für alle? Mutig, in dem man Dinge ausprobiert, sie laufen lässt und genau beobachtet, was daraus entstehen kann?

Hier scheint sich eine Kluft aufzutun, zwischen denjenigen, die nun die Zügel wieder straff in die Hand nehmen wollen und den anderen, die neue Freiheiten kennen und lieben gelernt haben. Freiheiten, die weit über Home-Office und flexible Arbeitszeiten hinausgehen. Freigaben auf dem kleinen Dienstweg, größere Entscheidungsbefugnisse, quick and dirty Lösungen statt großer Konzepte und langer Abstimmungen – all das war in der Krise nötig und damit möglich geworden.

Viele sind über sich hinausgewachsen, haben Dinge ausprobiert und zum Erfolg geführt, die sie noch vor ein paar Wochen für völlig unmöglich gehalten hätten. Sie haben sich selbst und auch gegenseitig überrascht und gezeigt, dass sie zu echtem Wandel fähig sind und sich sogar dafür begeistern können.

New Work ist keine Zukunftsmusik mehr, kein Nischenthema, für ein paar verrückte Freigeister. New Work ist in der Mitte der Arbeitswelt angekommen. New Work ist zum New Normal geworden. Nutzen wir die Chance, diese neue Normalität in unserem Sinne mitzugestalten.